Die Niederlausitz (niedersorbisch Dolna ĆuĆŸyca, obersorbisch Delnja ĆuĆŸica, polnisch Dolne ĆuĆŒyce) ist eine Region und ein ehemaliges Territorium im SĂŒden des Landes Brandenburg, im nördlichen Sachsen und im Westen Polens. Ihr Zentrum ist die Stadt Cottbus.
Sie ist der nördliche Teil der Lausitz. In der Niederlausitz ist, wie auch in der sĂŒdlich angrenzenden Oberlausitz, das westslawische Volk der Sorben beheimatet.
Ein Landeswappen der Niederlausitz ist erstmals 1363 im groĂen MajestĂ€tssiegel des Böhmischen Thronfolgers Wenzel IV. belegt. Wenig spĂ€ter fĂŒhrt das Wappen auch Herzog Bolko II. von Schweidnitz in seinem Siegel. Die Farben beschreibt anlĂ€sslich des Trauerzugs fĂŒr Kaiser Karl IV. erstmals 1378 die Augsburger Chronik in Gestalt der Landesfahne als ain panier weizz mit ainem rotten ochsen. Die erste farbige Darstellung findet sich im Wappenbuch von Bergshammar aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Wappen stellt einen mal stehenden, mal schreitenden roten Stier in Silber dar. Wie das Wappen der Oberlausitz entspricht das Wappen der Niederlausitz dem einer der landesherrlichen StĂ€dte, jedoch nicht dem Sitz der Niederlausitzer Landvogtei LĂŒbben, sondern dem der Stadt Luckau.
Die Niederlausitz tritt erstmals im Bayerischen Geograph als Siedlungsgebiet der slawischen Lusitzi in das Licht schriftlicher Ăberlieferung. Im Verlauf des 10. Jahrhunderts werden diese unterworfen, tributpflichtig gemacht und in die SĂ€chsische Ostmark und das Bistum MeiĂen einbezogen. Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert war das als Mark Lausitz bezeichnete Gebiet immer wieder zwischen den benachbarten FĂŒrstengeschlechtern der Wettiner, Askanier und Piasten umstritten. 1364 erwarben die Luxemburger die Niederlausitz und machten sie zu einem böhmischen Kronland.
Am hochmittelalterlichen Landesausbaus hatte die slawische Bevölkerung einen ebenso hohen Anteil wie Einwanderer aus dem westlichen Reichsgebieten. In groĂen Teilen des Landes herrschte bis weit in die Neuzeit die sorbische (wendische) Sprache vor. Auch in den StĂ€dten der Niederlausitz gab es einen bedeutenden slawischsprachigen Bevölkerungsanteil. Herausragende Wirtschaftsfaktoren waren schon im 12. Jahrhundert Fischfang bzw. Fischzucht, der seit der Eisenzeit betriebene Abbau von Raseneisenerz und der Weinbau um Guben. Die dominierende politische Kraft im Land waren die Standesherren. Mit Ausnahme des bis 1817 fortbestehenden Klosters Neuzelle wurde die Niederlausitz nach der Reformation protestantisch.
Infolge des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges erwarben 1635 die Wettiner Ober- und Niederlausitz. Die Herrschaft Cottbus befand sich allerdings bereits seit 1445 im Besitz der brandenburgischen Hohenzollern, was zusammen mit dem Traditionsrezess die Entwicklung der absolutistischen Landesherrschaft erheblich behinderte. Zollstreitigkeiten hemmten auch die Entwicklung der Niederlausitzer Wirtschaft. Auf dem Wiener Kongress wurde die Niederlausitz 1815 dem Königreich PreuĂen zugesprochen und daraufhin in dessen Verwaltungsstruktur integriert.
Bereits vor der Industrialisierung entwickelten sich besonders solche Gewerbe, die von den naturrĂ€umlichen Vorteilen der Niederlausitz profitierten, zum Beispiel ein auf den Export nach Berlin ausgerichteter Obst- und GemĂŒseanbau (Guben, Spreewald), sowie eine auf Holz-, spĂ€ter Braunkohle, als EnergietrĂ€ger aufbauende Glas- und HĂŒttenindustrie. Durch Autarkiepolitik und Kohleverstromung getrieben, entwickelte sich besonders seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der Braunkohlenbergbau rasant. In den StĂ€dten der Niederlausitz dominierte die Textilindustrie. Staatliche Germanisierungspolitik und die gesellschaftlichen UmwĂ€lzungen der Industriegesellschaft fĂŒhrten seit dem 19. Jahrhundert zu einem sukzessiven RĂŒckgang der niedersorbischen SprachausĂŒbung, dem sich Vereine wie die MaĆica Serbska und spĂ€ter die Domowina entgegenstellten.
Mit der GrĂŒndung des Bezirks Cottbus entstand 1952 erstmals seit 1815 wieder ein politisches Territorium, dass hauptsĂ€chlich aus dem historischen Kerngebiet der Niederlausitz bestand. Explizit als âEnergiebezirkâ gebildet, war er durch Braunkohlenabbau und -verstromung geprĂ€gt. Daneben wurde die Textilindustrie (VEB Chemiefaserwerk Guben) entwickelt. PrĂ€gend war auch die starke Militarisierung der DDR-Gesellschaft mit ihren zahlreichen MilitĂ€rstandorten.
Seit 1990 ist die Niederlausitz Teil des Landes Brandenburg. Die Kreisreform von 1993 nahm auf die historische Landschaft Niederlausitz nur bedingt RĂŒcksicht, sondern richtete vorrangig die Kreise auf das wirtschaftliche Zentrum Berlin aus. Durch Konfrontation mit dem Weltmarkt, Abwanderung, Entmilitarisierung, Ăkonomisierung des Braunkohlenbergbaus und in den letzten Jahren auch eine gezielte Dekarbonisierungspolitik befindet sich das Gebiet der Niederlausitz in einem anhaltenden, tiefgreifenden Strukturwandel.
Das Territorium der Niederlausitz ist begrenzt durch die FlĂŒsse Spree im Norden, Bober im Osten, Schwarze Elster im SĂŒden und Dahme im Westen.
Die nördliche Grenze der Niederlausitz verlĂ€uft nördlich von GolĂen bis Hartmannsdorf, folgt dem Spreebogen bzw. der Spree ĂŒber Schlepzig, Pretschen weiter nördlich bis Zaue zum Schwielochsee. Von dort geht es nördlich Friedland und Mixdorf in der Ziltendorfer Niederung an die Oder und schlieĂlich ostwĂ€rts bis Niemaschkleba (poln. Chlebowo), einem Teil der Landgemeinde Gubin, in Polen. Die östliche Grenze verlĂ€uft in Polen etwa entlang der Linie NiemaschklebaâSommerfeld. Der Ort Sommerfeld (poln. Lubsko) selbst gehört nicht zur Niederlausitz. Die Grenze folgt dann ab Legel (poln. Lagoda) bis Christianstadt (poln. Krzystkowice) dem Bober und biegt westlich des Bober nach Kunzendorf (poln. Kunice Ć»arskie), einem sĂŒdöstlichen Stadtteil von Sorau (poln. Ć»ary) ab.
Im SĂŒdosten bildet etwa die Linie Kunzendorf bis GroĂ SĂ€rchen (poln. Ć»arki Wielkie) an der Lausitzer NeiĂe die Grenze und folgt von dort entlang der ehemaligen brandenburgisch-sĂ€chsischen Grenze (bis zum Jahr 1952) zur Schwarzen Elster dieser dann bis Lauchhammer (frĂŒher MĂŒckenberg). Im SĂŒdwesten wechselte die Grenze fĂŒr die Niederlausitz als Verwaltungsgebiet (u. a. Markgrafschaft) mehrfach. So gehörten Finsterwalde, Senftenberg, Doberlug-Kirchhain und Sonnewalde, jede Stadt fĂŒr sich, in unterschiedlichen Epochen auch mal zu sĂ€chsischem Gebiet. Auf Karten ist die Grenze zwischen der Herrschaft Dobrilugk, heute Doberlug-Kirchhain und der Grafschaft Brehna als am stabilsten erkennbar. Seit 1993 gibt es den Landkreis Elbe-Elster, abgeleitet vom Elbe-Elster-Land, womit man die westliche Grenze entweder der alten Linie Buchhain ĂŒber Trebbus und Luckau bis Schenkendorf (westlich von GolĂen), oder entlang des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sehen kann.
Das in Deutschland liegende Teilgebiet der Niederlausitz gehört zum norddeutschen Tiefland. Durch sie zieht sich der Lausitzer Grenzwall, ein Teil des sĂŒdlichen LandrĂŒckens, der sich nordwestlich im Niederen FlĂ€ming fortsetzt. Es handelt sich dabei um die HauptendmorĂ€ne des Warthestadiums der Saaleeiszeit. Die höchste Erhebung des Lausitzer Grenzwalls (und damit der Niederlausitz) ist der 227 m hohe RĂŒckenberg (polnisch GĂłra Ć»arska) bei Ć»ary. Der SĂŒdliche LandrĂŒcken stellt hier eine Wasserscheide dar. Entlang einer breiten parallelen Linie durch Finsterwalde bis Calau (Calauer Schweiz) entspringen kleine FlĂŒsse wie die Kleine Elster und BĂ€che, die meist nach Norden flieĂen und im Spreewald in die Spree mĂŒnden. DurchbrĂŒche haben die von SĂŒden kommenden FlĂŒsse Dahme, Spree und NeiĂe geschaffen. SĂŒdlich des Lausitzer Grenzwalls schlieĂt sich das Urstromtal der Schwarzen Elster an.
In der Zeit des frĂŒhen Weichselhochglazials war wĂ€hrend des Brandenburger Stadiums (vor ca. 19.600 bis 19.000 Jahren) nur die nördliche Niederlausitz vergletschert. Die Reste der stark verwitterten und teilweise völlig abgetragenen EndmorĂ€nenzĂŒge dieses Stadiums und die dazugehörigen SanderflĂ€chen befinden sich nördlich des Spreewaldes. Zu dieser jĂŒngeren glazialen Serie gehört als Abflussrinne das Glogau-Baruther Urstromtal, deren Bett in der Niederlausitz von der Malxe und der Spree genutzt wird, die sich hier zum Spreewald verzweigt.
Die OberflĂ€che der Niederlausitz wurde grundlegend im ausgehenden MittelpleistozĂ€n vor ca. 150.000 Jahren geschaffen und in den folgenden Epochen des JungpleistozĂ€ns und des HolozĂ€ns glaziĂ€r, vor allem aber periglaziĂ€r durch Verwitterung, Abtragung, AusspĂŒlung und Verwehung sowie durch Ă€olische und fluviatile Sedimentation geformt.
An BodenschĂ€tzen finden sich neben Braunkohle und Kies auch tiefliegende Vorkommen von Kupfer, die sich von Spremberg und WeiĂwasser bis ins polnische Lubin erstrecken.
Letzte tiefgreifende VerĂ€nderungen in der Landschaft entstanden seit den 1930er Jahren, sowie verstĂ€rkt zu DDR-Zeiten durch das Anlegen groĂer Braunkohletagebaue, denen ĂŒber 100 Dörfer zum Opfer fielen. Bis in die Gegenwart werden Orte zerstört, so Horno, Lakoma oder Kausche.
â Siehe auch: Lausitzer Seenland
Die Niederlausitz gehört zu den niederschlagÀrmsten Regionen Deutschlands. In lediglich drei bis vier Monaten pro Jahr wird eine monatliche Niederschlagsmenge von mehr als 50 mm erreicht.
StĂ€dtische Zentren waren und sind Cottbus (ChĂłĆebuz) als gröĂte Stadt, die historischen HauptstĂ€dte des Landes LĂŒbben (Spreewald) (Lubin ((BĆota))) und Luckau (Ćukow) sowie Guben (Gubin), Calau (Kalawa), Finsterwalde (Grabin), Forst (BarĆĄÄ), Senftenberg (ZĆy Komorow), Spremberg (Grodk), LĂŒbbenau/Spreewald (Lubnjow/BĆota), Vetschau/Spreewald (WÄtoĆĄow/BĆota) und im SĂŒdwesten Doberlug-Kirchhain (frĂŒher Dobrilugk) und Lauchhammer (Ćuchow; obersorbisch: Ćœelezarnje), siehe auch Elbe-Elster-Land, sowie im polnischen Teil die Stadt Ć»ary (Ćœarow; deutsch: Sorau).
GegenwÀrtig ist das Gebiet der Niederlausitz innerhalb des Bundeslandes Brandenburg in mehrere Kreise aufgeteilt.
Landkreise und kreisfreie StÀdte
Die Niederlausitz ist, ungeachtet der relativ dĂŒnnen Besiedlung, wie alle Regionen Mitteleuropas eine von den Menschen intensiv gestaltete Kulturlandschaft. Sie ist durch Kiefernforste, Heiden und auwaldartige ErlenbruchwĂ€lder, aber auch durch landwirtschaftliche NutzflĂ€chen, GrĂŒnlĂ€nder und Ăcker, geprĂ€gt.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 ist in den ersten Folgejahren der deutsche Teil der Niederlausitz weitgehend deindustrialisiert worden. Von der vormals bedeutenden Glasindustrie, dem Textilgewerbe und der Holzverarbeitung existieren nur noch kleine Reste. Durch den Kapitalmangel und durch die viel effizientere Technik besonders im Hauptwirtschaftszweig Energiegewinnung hat ein Gros der Arbeitnehmer die Niederlausitz wieder verlassen. Die Braunkohleverstromung ist mit drei Braunkohlekraftwerken immer noch der gröĂte Arbeitgeber, der Export der elektrischen Energie in das deutsche Verbundnetz Haupterwerbszweig. Allein durch die erneuerbaren Energien soll der Eigenstrombedarf in einigen Regionen gedeckt werden. Entsprechend befinden sich auch kleine und mittlere Unternehmen der Metallverarbeitung und des Maschinenbaus in der Region. Forschung und Entwicklung wird in der Biotechnologie und chemischen Industrie (BASF) betrieben. Daneben gehen seit Mitte der 2000er Jahre mehrere der gröĂten Solarparks wie der Solarpark Finsterwalde und der Solarpark Lieberose in Betrieb.
Ein Problem beim Ausbau der erneuerbaren Energien stellt hier die LeitungskapazitĂ€t und der schleppende Ausbau des Leitungsnetzes in den SĂŒden Deutschlands dar. WĂ€hrend der wirtschaftlichen Neufindung scheiterten zunĂ€chst auch Projekte wie die Produktion fĂŒr Luftschiffe (Cargolifter), wurden aber durch andere wie heute der Urlaubspark Tropical Islands kompensiert.
Um Spremberg und WeiĂwasser sollten ab etwa 2015 ca. 200 Mio. Tonnen Kupfererz aus 1500Â m Tiefe abgebaut werden.
Im Lausitzer Seenland wird als neuer Wirtschaftszweig der Tourismus seit den 2000er Jahren etabliert und gewinnt an Bedeutung.
Das Eisenbahnnetz ist sehr gut ausgebaut, jede Stadt ab ca. 8.000 Einwohnern bietet dadurch Anbindung an die umliegenden GroĂstĂ€dte Berlin, Cottbus, Dresden und Leipzig. Alle betriebenen Strecken sind seit Ende der 1980er Jahre bis auf die Hauptbahn CottbusâGörlitz zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Der Anschluss an das polnische Netz ist nur auf eingleisigen Strecken möglich. Die Ausnahme ist die Strecke ĂŒber Hoyerswerda und Kohlfurth (WÄgliniec) nach Breslau (WrocĆaw).
Das StraĂennetz wird neben den LandesstraĂen von den BundesstraĂen 87, 96, 97, 102, 112, 115, 156, 169, 179 und 320 gebildet, wobei geplant ist, die BÂ 169 nach dem 2+1-System auszubauen. Um besseren Anschluss nach Norden und Westen zu erreichen, wird auch der 2+1-Ausbau der BÂ 87 von Leipzig nach Frankfurt (Oder) gefordert. In Nord-SĂŒd-Ost-Richtungen verlaufen die Autobahnen 13 und 15.
Die Bildungs- und Versorgungseinrichtungen sind mit der Brandenburgischen Technischen UniversitĂ€t Cottbus-Senftenberg und beispielsweise der Medizinischen UniversitĂ€t Lausitz â Carl Thiem und dem Klinikum Niederlausitz gut ausgebaut, wobei der steigende HausĂ€rztemangel ein groĂes Problem darstellt.
Die Landwirtschaft auf relativ mageren Böden bei Deutschlands niederschlagsĂ€rmstem Klima ist nur begrenzt ertragreich. So werden vor allem Flachs fĂŒr Leinöl, Mais, Raps und Spargel um Calau angebaut. Einige landwirtschaftliche Produkte aus der Niederlausitz, insbesondere aus dem Spreewald, haben deutschlandweit einen sehr guten Ruf.
Von touristischer Bedeutung ist traditionell der Spreewald. Bedeutsam sind auch die Stadt Cottbus sowie die aus gartenarchitektonischer Sicht bedeutenden Parks des FĂŒrsten PĂŒckler, der Branitzer Park in (Cottbus-)Branitz und der FĂŒrst-PĂŒckler-Park Bad Muskau. Durch die Renaturierung und Flutung der ehemaligen Tagebaue ist zudem die Tourismusregion Lausitzer Seenland im Entstehen.
Die Niederlausitz wird von Radfern- und -regionalwegen erschlossen. Im Osten begrenzt der Oder-NeiĂe-Radweg die Region. Zentral wird sie vom Spreeradweg durchquert. Als regionale Routen bieten sich der Froschradweg und die Niederlausitzer Bergbautour (lĂ€nderĂŒbergreifend Brandenburg und Sachsen) an. Im Norden im Spreewaldraum schlieĂen der Gurken-Radweg und die FĂŒrst-PĂŒckler-Tour an. Im SĂŒdwesten leitet der Elster-Radweg zum Elberadweg.
An Unterhaltungsmöglichkeiten sind mehrere Theater und Ensembles in Cottbus, etwa das Staatstheater Cottbus mit dem Philharmonischen Orchester Cottbus, die Neue BĂŒhne in Senftenberg, und die mehr als 100 Jahre alten vorfĂŒhrenden Kinozweckbauten, zwei der Ă€ltesten, das Weltspiegel Cottbus und das Weltspiegel Finsterwalde erwĂ€hnenswert.
BezĂŒglich des Niederlausitzer Brauchtums und der Rituale sind besonders die in der Lausitz verankerten sorbischen Traditionen zu erwĂ€hnen, wie beispielsweise das Zampern (camprowanje), Hahnrupfen (kokot), das Verzieren von Ostereiern oder die Vogelhochzeit. Einen Teil der Volkskultur stellen auch die sorbischen Trachten dar â insbesondere die Spreewaldtracht â die jedoch heute fast nur noch an Festtagen sowie zu touristischen Zwecken angelegt werden.
In der Niederlausitz werden heute im Wesentlichen die Niederlausitzer Mundart des Deutschen sowie von etwa 7.000â10.000 Menschen Niedersorbisch (auch Wendisch genannt) gesprochen. Noch im 18. Jahrhundert war das gesamte Gebiet der Niederlausitz mit Ausnahme der deutsch geprĂ€gten StĂ€dte einsprachig sorbisch. Die Landbevölkerung beherrschte in den meisten Orten kaum Deutsch. Das traf bis in die zweite HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts noch auf den zentralen Teil der Niederlausitz zu, wogegen in der Peripherie, v. a. in den Gebieten östlich von NeiĂe und Oder, im Luckauischen Kreis und in der Gegend um Doberlug-Kirchhain der Sprachwechsel zum Deutschen bedingt durch eine aktive Germanisierungspolitik in Schule und Kirche bereits erfolgt war. Nach der Statistik von ArnoĆĄt Muka aus den 1880er Jahren sprachen zu dieser Zeit noch 59,3 % der Einwohner des Kreises Cottbus Niedersorbisch; im Kreis Spremberg waren es 42,1 % und im Kreis Calau etwa 20 %. Muka wies in seinen ausfĂŒhrlichen Berichten aus den Orten besonders des Kreises Cottbus explizit darauf hin, dass es in vielen Dörfern kaum Einwohner gebe, die Deutsch beherrschten.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts geriet das Niedersorbische bedingt durch die in den ersten fĂŒnf Jahrzehnten verstĂ€rkten Germanisierungsbestrebungen seitens des Staates, durch den massenhaften Zuzug einerseits von ArbeitskrĂ€ften v. a. in die Braunkohlenindustrie und andererseits von deutschsprachigen Umsiedlern aus den ehemaligen Ostgebieten nach 1945 sowie durch andere Assimilationsfaktoren auch in den zentralen Niederlausitzer Kreisen endgĂŒltig in die Rolle der Minderheitensprache. Noch 1956 war es zwar in 24 Gemeinden des Kreises Cottbus die Sprache der Mehrheit, der Anteil an der Gesamtbevölkerung des Kreises war jedoch auf 29 % geschrumpft. In vielen Dörfern erfolgte der Sprachwechsel innerhalb von nur zwei bis drei Generationen. Heute ist die niedersorbische Sprache in allen Orten eine Minderheitensprache und am meisten noch in den Gemeinden nördlich von Cottbus (Dissen-Striesow, Schmogrow-Fehrow, Teichland, Turnow-Preilack etc.) in Gebrauch.
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